Deutsch, eine Kultur für das ganze Leben: Im Gespräch mit der Leiterin unserer Fachschaft Deutsch

Um die Auswirkungen einer bikulturellen Ausbildung und die aktuellen Herausforderungen des Sprachunterrichts näher zu beleuchten, haben wir mit Ana María Álvarez gesprochen, der Leiterin der Deutschabteilung unserer Schule. Ihre Vision ist von zentraler Bedeutung, um zu verstehen, was es bedeutet, eine DAS-Schule (Deutsche Auslandsschule) zu sein – eine von nur fünf Schulen in Chile mit diesem Gütesiegel. In diesem Interview erläutert Ana María den Wettbewerbsvorteil, den die deutsche Sprache in einer globalisierten Welt bietet. Zudem erklärt sie, wie die Schule ihre pädagogischen Prozesse anpasst, damit jeder Schüler – vom spielerischen Lernen in der Spielgruppe bis hin zu den hohen Anforderungen des Deutschen Sprachdiploms (DSD) – sein volles Potenzial ausschöpfen kann.

Was ist Ihrer Meinung nach der Wettbewerbsvorteil, den die deutsche Sprache in einem globalisierten Umfeld bietet?

Deutschland bleibt auch in Zeiten wirtschaftlicher Probleme ein international stark vernetzter Innovationsmotor. Das eigentliche „Plus“ ist die Mobilität unserer Schüler. Wir bilden nicht nur Schüler mit Sprachkompetenz aus, sondern überreichen ihnen den Schlüssel zu renommierten Universitäten oder erstklassigen Berufsausbildungen in Deutschland. Das öffnet die Türen zu einem internationalen Arbeitsmarkt – sowohl in deutschen Unternehmen als auch in Organisationen weltweit, die diese bikulturelle Ausbildung schätzen.

Wie profitiert die kognitive Entwicklung vom frühen Kontakt (Immersionsmethode) und wie wird Deutsch dadurch zu einem sprachlichen „zweiten Zuhause“?

Der frühe Kontakt ist grundlegend für ein natürliches Lernen, besonders wenn auch Kontinuität außerhalb des Klassenzimmers erreicht wird. Obwohl es pädagogische Debatten über das frühe Erlernen von Fremdsprachen und den daraus entstehenden Leistungsdruck gibt, arbeiten wir mit der Immersionsmethode. Der kognitive Nutzen ist eindeutig: Die neuronale Plastizität in diesem Alter sorgt dafür, dass die Sprache nicht im Rahmen eines Schulfachs, sondern fächerübergreifend als Werkzeug für das Leben erlernt wird. Das erleichtert das Lernen und fördert eine emotionale Nähe zur Sprache.

Wie werden die Prozesse angepasst, um Schüler mit größeren Herausforderungen zu unterstützen und sicherzustellen, dass jeder sein maximales Potenzial erreicht?

Das Deutsche Sprachdiplom (DSD) zu erlangen, ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Es handelt sich um eine standardisierte Prüfung aus Deutschland, die lokale Kontexte nicht berücksichtigt. Des Weiteren ist Deutsch ist für Spanischsprachige eine schwer zu erlernende Sprache. Daher gilt den Schülern, die sich anstrengen und den Lehrkräften, die ihre Schüler begleiten, meine größte Anerkennung. Damit jeder sein Potenzial ausschöpfen kann, setzen wir auf Differenzierung. Das bedeutet nicht, dass alle zur gleichen Zeit am selben Ziel ankommen (was unrealistisch wäre), sondern dass die Schüler in bestimmten Phasen – innerhalb oder außerhalb des Unterrichts – sinnvolle Aufgaben entsprechend ihren Begabungen und Interessen bearbeiten. Die große Herausforderung – und daran arbeiten wir derzeit – besteht darin, dieses personalisierte Lernen mit der Realität in Einklang zu bringen, dass am Ende des Weges alle dieselbe DSD-Prüfung ablegen. Transparenz gegenüber den Familien ist hierbei der Schlüssel: Die Differenzierung ermöglicht uns das Vorankommen, aber das rigorose Prüfungstraining im Vorfeld sichert letztendlich den Erfolg.

Welche praktischen Ratschläge würden Sie Müttern und Vätern, die kein Deutsch sprechen, geben, um den Lernprozess zu Hause zu begleiten?

Das Wichtigste ist es, eine emotionale Bindung aufzubauen. Eltern müssen nicht die Grammatik korrigieren, sondern die Neugier wecken: z.B. deutsche Filme (mit Untertiteln) schauen, gemeinsam lesen oder auch als Familie gemeinsam typische deutsche Gerichte zubereiten. Diese Aktivitäten machen die Sprache zu etwas Lebendigem und Erfreulichem und halten somit die Motivation aufrecht – ganz ohne den Druck einer technischen Bewertung. Die deutsche Sprache, ihre Kultur und Traditionen werden durch verschiedene Momente und Meilensteine während der gesamten Schulzeit von der Spielgruppe bis zur 12. Klasse der Oberstufe (IV° Medio) gelebt.

Was ist die wichtigste zukünftige Herausforderung und welche aktuellen Erfolge der Abteilung würden Sie hervorheben?

Momentan stehen wir vor der großen Herausforderung, das Prädikat einer Exzellenzschule aufrechtzuerhalten. Dies wird umso schwieriger, da wir seit Kurzem Schüler mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen in allen Jahrgangsstufen aufnehmen. Unsere Hauptherausforderung liegt in der Kontinuität. Da wir ein Team mit einer hohen Fluktuation sind – viele von uns kommen für begrenzte Zeiträume aus Deutschland – widmen wir uns der Klärung und Beschreibung der organisatorischen Prozesse  unserer Schule (UTP / Unidad Técnica Pedagógica), um die pädagogische Linie institutionell zu verankern und unabhängig von einzelnen Personen zu machen. Als wichtigsten aktuellen Erfolg würde ich unsere konsequente Teamarbeit bezeichnen. Beispielsweise führen wir mit Unterstützung des Team Feedback  gegenseitige Hospitationen durch und beraten uns untereinander.

6) Welche Innovationen sollen nach dem Treffen der Deutsch-Fachleiter chilenischer Auslandsschulen (Fachleitertagung) an der Schule umgesetzt werden?

Wir analysieren derzeit, wie wir die Kompetenzbewertung bereits ab dem Anfangszyklus und eine äußere Differenzierung integrieren können. Zu den konkreten Maßnahmen, die wir bereits zur Stärkung unseres Unterrichts umgesetzt haben, gehören:

  • DSD-Probeprüfungen: Damit die Schüler die Angst verlieren und das reale Prüfungsformat hautnah miterleben.
  • Wortschatz-Systeme: Der Einsatz von Vokabelkisten (Boxen und Karteikarten) bis zur 8. Klasse (8° Básico), um das lexikalische Lernen zu systematisieren.
  • Feedback-Kultur: Workshops zum Team Feedback und kollegiale Hospitationen, um die Unterrichtsqualität kontinuierlich zu steigern.
Comments are closed.